Die Geschichte von Silvester

Vom Römischen Reich über die große Kalenderreform bis zu den heutigen Silvesterbräuchen – eine Reise durch die Zeit.

🏛️ Neujahr in der Antike

Die Geschichte des Jahreswechsels reicht weit zurück. Schon die alten Kulturen feierten den Beginn eines neuen Jahres – allerdings zu ganz unterschiedlichen Zeiten und mit verschiedenen Ritualen.

Die Römer und der Janusbeginn

Im alten Rom begann das Jahr ursprünglich im März – benannt nach dem Kriegsgott Mars. Erst 153 v. Chr. verlegten die Römer den Jahresbeginn auf den 1. Januar. Der Monat Januar wurde nach Janus benannt, dem Gott der Türen, Tore und Übergänge. Mit seinen zwei Gesichtern blickt Janus gleichzeitig in die Vergangenheit und die Zukunft – ein passendes Symbol für den Jahreswechsel.

Die Römer feierten das neue Jahr mit Opfergaben an die Götter, festlichen Umzügen und dem Austausch von Geschenken. Besonders beliebt waren Datteln, Feigen und Honig als Symbole für ein süßes neues Jahr.

Germanische Mittwinterfeste

Bei den Germanen lag der wichtigste Festtermin zur Wintersonnenwende um den 21. Dezember. Das Julfest markierte die dunkelste Zeit des Jahres und die Rückkehr des Lichts. Viele heutige Silvesterbräuche – wie das Feuerwerk zum Vertreiben böser Geister – haben ihre Wurzeln in diesen alten Mittwinterfesten.

📅 Die großen Kalenderreformen

Der Weg zu unserem heutigen Kalender war lang und von mehreren bedeutenden Reformen geprägt. Zwei Kalender spielen dabei die Hauptrolle: der Julianische und der Gregorianische Kalender.

45 v. Chr.
Julius Caesar führt den Julianischen Kalender ein. Das Jahr hat nun 365 Tage, alle vier Jahre gibt es ein Schaltjahr. Der Jahresbeginn wird offiziell auf den 1. Januar festgelegt.
335 n. Chr.
Papst Silvester I. stirbt am 31. Dezember. Er war der erste Papst nach der konstantinischen Wende und wird später heiliggesprochen. Sein Todestag gibt dem Silvestertag seinen Namen.
567 n. Chr.
Das Konzil von Tours verbietet Neujahrsfeiern als heidnisches Fest. Stattdessen wird der 25. Dezember (Weihnachten) oder der 25. März (Mariä Verkündigung) als Jahresbeginn propagiert.
1582
Papst Gregor XIII. führt den Gregorianischen Kalender ein. Der Julianische Kalender war um 10 Tage "verrutscht". Lösung: Auf den 4. Oktober 1582 folgte direkt der 15. Oktober. Seitdem gilt der 31. Dezember als fester Silvestertermin.
1691
Papst Innozenz XII. erklärt den 1. Januar offiziell zum Jahresbeginn der katholischen Kirche. Zuvor begannen verschiedene Länder das Jahr noch an unterschiedlichen Tagen.
1700
Die protestantischen Länder Deutschlands übernehmen den Gregorianischen Kalender. England folgt erst 1752, Russland sogar erst 1918.

Warum war die Reform nötig?

Der Julianische Kalender hatte einen kleinen Fehler: Er rechnete mit einem Jahr von 365,25 Tagen, doch das astronomische Jahr ist etwa 11 Minuten kürzer. Über Jahrhunderte summierte sich dieser Fehler auf ganze Tage. Im 16. Jahrhundert lag der Kalender bereits 10 Tage hinter dem Sonnenlauf – Ostern wanderte immer weiter in den Sommer.

Der Gregorianische Kalender korrigierte dies durch eine angepasste Schaltjahresregel: Jahre, die durch 100 teilbar sind, sind nur dann Schaltjahre, wenn sie auch durch 400 teilbar sind. So ist das Jahr 1900 kein Schaltjahr, aber das Jahr 2000 war eines.

Papst Silvester I.

Der Namensgeber des letzten Tages im Jahr

Der Mann, der dem Silvestertag seinen Namen gab, war von 314 bis 335 n. Chr. Papst in Rom. Seine Amtszeit fiel in eine der bedeutendsten Epochen der Kirchengeschichte.

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Die konstantinische Wende

Unter Kaiser Konstantin wurde das Christentum 313 n. Chr. zur tolerierten Religion. Silvester war der erste Papst, der in dieser neuen Freiheit wirken konnte.

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Die "Konstantinische Schenkung"

Eine mittelalterliche Fälschung behauptete, Konstantin habe Silvester die Herrschaft über Rom übertragen. Obwohl falsch, prägte dies die Geschichte des Papsttums.

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Die Taufe Konstantins

Der Legende nach taufte Silvester den Kaiser und heilte ihn dabei vom Aussatz. Historisch wurde Konstantin jedoch erst auf dem Totenbett getauft – und nicht von Silvester.

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Heiligsprechung

Silvester I. wurde später heiliggesprochen. Sein Gedenktag ist der 31. Dezember – der Tag seines Todes im Jahr 335 n. Chr.

Vom Heiligentag zum Festtag

Ursprünglich war der 31. Dezember nur ein kirchlicher Gedenktag für den verstorbenen Papst. Erst mit der Festlegung des 1. Januar als Neujahrstag entwickelte sich der Vorabend – der Silvesterabend – zum weltlichen Festtag mit Feuerwerk und Partys.

🎆 Entwicklung der Silvesterbräuche

Die Traditionen, die wir heute mit Silvester verbinden, haben sich über Jahrhunderte entwickelt. Viele stammen aus heidnischen Zeiten, andere sind erstaunlich jung.

Feuerwerk – vom Krieg zum Fest

Die Chinesen erfanden das Schwarzpulver im 9. Jahrhundert. Über die Seidenstraße gelangte es im 13. Jahrhundert nach Europa. Zunächst nur für den Krieg genutzt, wurde Feuerwerk ab dem 15. Jahrhundert auch für höfische Feste eingesetzt. Könige und Fürsten übertrumpften sich mit immer prachtvolleren Feuerwerken.

Erst im 19. Jahrhundert wurde Feuerwerk für die breite Bevölkerung erschwinglich. Seitdem gehört es zum festen Bestandteil der Silvesternacht – auch wenn der ursprüngliche Zweck, böse Geister zu vertreiben, längst vergessen ist.

Bleigießen – ein uralter Brauch

Das Bleigießen (heute meist Wachsgießen) zur Zukunftsdeutung geht auf das antike Rom zurück. Dort war das "Molybdomantie" genannte Orakel verbreitet. Im deutschsprachigen Raum etablierte sich der Brauch im 18. Jahrhundert und hielt sich bis 2018, als Blei wegen seiner Giftigkeit verboten wurde.

Dinner for One – eine junge Tradition

Der Sketch "Dinner for One" wurde 1963 vom NDR aufgezeichnet und ist erst seit den 1970er Jahren fester Bestandteil des deutschen Silvesterprogramms. Obwohl britischen Ursprungs, ist der Sketch in Großbritannien praktisch unbekannt – eine rein deutsche Tradition!

"The same procedure as every year, James." – Ein englischer Sketch, der nur in Deutschland Kult ist. Gesendet wird er am Silvesterabend über 20 Mal auf verschiedenen Sendern.

Von der Geschichte zur Gegenwart

Die Geschichte von Silvester zeigt, wie sich Traditionen über Jahrhunderte entwickeln und verändern. Was einst ein Heiligentag war, ist heute ein weltweites Fest der Freude und des Neubeginns. Und obwohl sich die Bräuche wandeln – das Grundgefühl bleibt: der Wunsch nach einem guten Start ins neue Jahr.

🌍 Neujahr in anderen Kulturen

Nicht überall beginnt das Jahr am 1. Januar

Verschiedene Kalender, verschiedene Neujahrsfeste

🇨🇳

Chinesisches Neujahr

Das wichtigste Fest in China findet zwischen Ende Januar und Mitte Februar statt. Es richtet sich nach dem Mondkalender und wird 15 Tage lang gefeiert. 2027 beginnt am 6. Februar das Jahr der Schlange.

🇮🇱

Rosch ha-Schana

Das jüdische Neujahr fällt in den September oder Oktober. Es ist ein ernster Feiertag der Besinnung und Umkehr, an dem traditionell Äpfel in Honig getaucht werden.

🇮🇷

Nouruz

Das persische Neujahr wird zur Frühlings-Tagundnachtgleiche am 20. oder 21. März gefeiert. Es ist über 3.000 Jahre alt und wird von über 300 Millionen Menschen begangen.

🇮🇳

Diwali

Das hinduistische Lichterfest im Oktober/November markiert für viele Hindus den Jahresbeginn. Millionen Lichter symbolisieren den Sieg des Lichts über die Dunkelheit.

🇹🇭

Songkran

Das thailändische Neujahr wird vom 13. bis 15. April mit dem berühmten Wasserfest gefeiert. Das Wasser symbolisiert Reinigung und einen frischen Start.

🇪🇹

Enkutatash

Äthiopien folgt einem eigenen Kalender und feiert Neujahr am 11. September (im Schaltjahr am 12.). Das Land ist dem gregorianischen Kalender etwa 7 Jahre "voraus".

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