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Die Geschichte von Silvester und Neujahr

Die Geschichte von Silvester beginnt im alten Rom: Seit 153 v. Chr. traten die Konsuln am 1. Januar ihr Amt an, und Caesars Kalender begann das Jahr mit dem Januar. Den Namen erhielt der 31. Dezember von Papst Silvester I., der an diesem Tag im Jahr 335 starb. In Deutschland setzte sich der 1. Januar als Jahresanfang erst im 16. Jahrhundert endgültig durch.

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Antike Sanduhr aus Messing auf einer vergilbten alten Landkarte im warmen Licht einer Kerze
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Dass ein Jahr am 1. Januar beginnt und am 31. Dezember endet, wirkt selbstverständlich. Tatsächlich ist es das Ergebnis von gut zwei Jahrtausenden Verwaltungspraxis, Kirchenpolitik und Kalenderrechnung. Die wichtigsten Stationen finden Sie unten im Zeitstrahl, jeweils mit Quelle.

Jahresbeginn im alten Rom

Der älteste römische Kalender begann im März. Daran erinnern die Monatsnamen bis heute: Der Dezember, von lateinisch decem, „zehn“, war der zehnte Monat des ursprünglich mit dem März beginnenden Jahres (DWDS, Pfeifer: Dezember). Der Januar trägt den Namen des altitalischen Gottes Janus, des Gottes der Türen, des Ein- und Ausgangs und übertragen des Anfangs und Endes (DWDS, Pfeifer: Januar).

Marmorbüste mit zwei in entgegengesetzte Richtungen blickenden Köpfen im Stil römischer Janus-Darstellungen, seitlich warm beleuchtet
Der Januar trägt den Namen des römischen Gottes Janus, des Gottes der Durchgänge KI-generiert

Für den 1. Januar sorgte zunächst die Politik. Im Jahr 153 v. Chr. traten die Konsuln, Roms höchste Beamte, erstmals am 1. Januar ihr Amt an; als Grund nennt der Geschichtsschreiber Livius einen Aufstand in Hispanien (Livius, Periochae 47). Julius Caesar führte 45 v. Chr. einen reinen Sonnenkalender ein: drei Jahre mit 365 Tagen, dann ein Schaltjahr mit 366 Tagen (PTB). Sein Kalenderjahr begann mit dem Januar (DWDS, Pfeifer: Januar).

Papst Silvester I. und der Name des Tages

Silvester wurde am 31. Januar 314 zum Bischof von Rom gewählt und starb am 31. Dezember 335. Begraben wurde er zunächst in der Priscilla-Katakombe; im 8. Jahrhundert kamen seine Gebeine nach San Silvestro in Capite (katholisch.de). Schon das römische Kalenderhandbuch von 354, der sogenannte Chronograph, verzeichnet sein Gedenken unter „prid. kal. Ianuar.“, dem Tag vor dem 1. Januar, „in Priscillae“ (Depositio episcoporum).

Um Silvester ranken sich Legenden. Die bekannteste stammt aus dem Frühmittelalter: Er soll Kaiser Konstantin vom Aussatz geheilt und getauft haben. Tatsächlich hatte Konstantin das Christentum schon 313 mit dem Toleranzedikt von Mailand erlaubt (katholisch.de).

Zum Namen des Jahresendes konnte sein Gedenktag erst werden, als der 31. Dezember wirklich der letzte Tag des Jahres war. Solange das Jahr in Deutschland an Weihnachten begann, lag der Silvestertag in der ersten Woche des neuen Jahres. Als Bezeichnung für den letzten Tag des Jahres ist „Silvester“ seit dem 18. Jahrhundert belegt (DWDS, Pfeifer: Silvester). Warum man sich an diesem Tag einen guten Rutsch wünscht, erklärt die Seite zur Bedeutung von „Guten Rutsch“.

Wechselnde Jahresanfänge im Mittelalter

Die frühe Kirche misstraute dem 1. Januar. Das Konzil von Tours (567) und Bischof Caesarius von Arles wandten sich gegen diesen Anfang des heidnisch-römischen Kalenderjahres und die Ausschweifungen, die mit ihm verbunden waren. Um dem Tag einen christlichen Inhalt zu geben, legte man etwa im 7. Jahrhundert das Fest der Beschneidung des Herrn auf den 1. Januar (Grotefend: Circumcisionsstil).

Im Alltag blieb der 1. Januar der Neujahrstag, doch Urkunden und Chroniken zählten die Jahre oft anders. Nach dem Vorbild von Mainz begann das Jahr im Mittelalter in fast ganz Deutschland an Weihnachten. Trier rechnete vom 25. März an, dem Fest Mariä Verkündigung, Köln bis ins frühe 14. Jahrhundert von Ostern an (Grotefend: Weihnachtsanfang). Wer ein mittelalterliches Datum zwischen Weihnachten und Ostern liest, muss deshalb prüfen, welcher Jahresanfang gemeint ist.

Auch der 6. Januar spielte eine Rolle: Die Volkskundlerin Dagmar Hänel nennt Dreikönig einen alten Jahresbeginn; die zwölf Tage von Weihnachten bis zum 6. Januar dienten als Wetterorakel für die zwölf Monate. Das Wort „Rauhnacht“ kam nach ihrer Vermutung aber erst im 19. Jahrhundert mit der romantischen Volkskunde auf (Quarks). Mehr dazu auf der Seite über die Rauhnächte.

Der 1. Januar setzt sich durch – und die Reform von 1582

In Deutschland gewann der 1. Januar in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wieder allgemein die Oberhand, mancherorts früher oder später. In Frankfurt am Main geschah das zwischen 1542 und 1559, in Brandenburg war die Sache zur Reformationszeit „so gut wie entschieden“, Breslau folgte erst in der zweiten Jahrhunderthälfte. Florenz und Pisa wechselten 1749, Venedig 1797 (Grotefend).

Die Kalenderreform von Papst Gregor XIII. löste 1582 ein anderes Problem: Der Julianische Kalender war dem Sonnenjahr davongelaufen, der Frühlingsanfang hatte sich um mehr als zehn Tage verschoben. Auf Donnerstag, den 4. Oktober 1582, folgte deshalb Freitag, der 15. Oktober. Seitdem sind Jahrhundertjahre nur dann Schaltjahre, wenn sie durch 400 teilbar sind (PTB). Einen Jahresbeginn schrieben die Bulle und ihre Kanones nicht ausdrücklich vor (Wikipedia). Großbritannien ließ das Jahr erst ab 1752 am 1. Januar beginnen und strich im selben Jahr elf Tage: Auf den 2. folgte der 14. September (Calendar Act 1750).

Lärm gegen Geister – und Feuerwerk

Mit Krach ins neue Jahr: Schüsse aus Gewehren und Pistolen oder Karbid in Milchkannen sollten nach altem Glauben die bösen Geister abwehren, die in der Silvesternacht als besonders gefährlich galten. Weil die selbstgemachten Böller viele Unfälle verursachten, verboten Behörden das Neujahrsschießen schon im 17. und 18. Jahrhundert – gehalten hat sich kaum jemand daran. Christine Gottschalk, Volkskundlerin beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe, sieht in den Lärmbräuchen zugleich einen Ausdruck von Freude und Festlichkeit (LWL). Vom 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg ließen junge Männer selbstgebaute Böller hochgehen, um das alte Jahr „totzuschießen“; ob dahinter wirklich heidnische Wurzeln stehen, formuliert auch das Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland nur als Vermutung (Archiv der EKiR).

Feuerwerk hat einen anderen Ursprung. Der Überlieferung nach entstand Schwarzpulver um 800 in China; in Europa schmückten Feuerwerke später militärische Siege, kirchliche Feste und fürstliche Feiern, Heinrich VII. von England etwa ließ 1486 zu seiner Hochzeit eines abbrennen. Farbig wurde der Himmel erst in den 1830er-Jahren, als italienische Pyrotechniker Metalle wie Strontium und Barium beimischten (Smithsonian Science Education Center). Heute dürfen Erwachsene in Deutschland Feuerwerk der Kategorie 2 nur am 31. Dezember und 1. Januar abbrennen (§ 23 1. SprengV); was dabei sonst gilt, steht unter Regeln und Sicherheit.

Briefe, Karten und ein Konzert: Neujahr im 19. und 20. Jahrhundert

Im frühen 19. Jahrhundert schrieben Kinder ihren Eltern Neujahrswunschbriefe, oft in der Schule nach Vorlagen; das Museum der Kulturen Basel zeigte einen solchen Brief aus dem Jahr 1820. Später lösten unterschriebene Karten im Format von Visitenkarten die großen Schreiben ab (Museum der Kulturen Basel). Am Niederrhein überreichten Kinder noch bis in die 1930er-Jahre am Neujahrsmorgen einen geschmückten Bogen mit Glückwünschen und guten Vorsätzen (Archiv der EKiR).

Dann kam die Postkarte: Österreich führte sie am 1. Oktober 1869 ein, der Norddeutsche Bund am 1. Juli 1870, und sie wurde rasch zum Massenmedium (LEO-BW, Landesarchiv Baden-Württemberg). Um 1900 erlebte die illustrierte Postkarte ihren Höhepunkt; ab 1904 bekam ihre Rückseite ein eigenes Textfeld (Museum der Kulturen Basel).

Ein Ritual für Millionen entstand in der dunkelsten Zeit: Am 31. Dezember 1939 spielten die Wiener Philharmoniker unter Clemens Krauss ein außerordentliches Konzert mit Werken der Strauß-Dynastie, dessen Reinertrag an das nationalsozialistische „Kriegswinterhilfswerk“ ging. Am 1. Januar 1941 folgte das „Johann Strauss-Konzert“ am Neujahrstag, aus dem das heutige Neujahrskonzert wurde (Wiener Philharmoniker).

Silvester im Fernsehzeitalter

Zum festen Bestandteil des deutschen Silvesters wurde ein englischer Sketch: „Dinner for One“ nahm der NDR 1963 in Hamburg-Lokstedt auf; 1988 stand er als meistwiederholte Fernsehproduktion im Guinness-Buch der Rekorde (NDR). Mehr dazu auf der Seite Dinner for One. Welche Bräuche heute dazugehören, lesen Sie bei den Silvester-Traditionen; nicht alle Kulturen beginnen das Jahr übrigens am 1. Januar, wie die Neujahrsfeste weltweit zeigen.

Zeitstrahl: die Geschichte von Silvester auf einen Blick

Von Roms Amtsjahr bis „Dinner for One“: Stationen des Jahreswechsels
JahrEreignisQuelle
Frühzeit RomsDas älteste römische Jahr beginnt im März; der Dezember ist der zehnte Monat.DWDS, Pfeifer
153 v. Chr.Die Konsuln treten ihr Amt erstmals am 1. Januar an.Livius, Periochae 47
45 v. Chr.Caesars Julianischer Kalender: 365 Tage, alle vier Jahre ein Schaltjahr.PTB
335Papst Silvester I. stirbt am 31. Dezember.katholisch.de
354Der Chronograph von 354 verzeichnet Silvesters Gedenktag am 31. Dezember.Depositio episcoporum
567Das Konzil von Tours wendet sich gegen die heidnischen Neujahrsbräuche am 1. Januar.Grotefend
um das 7. Jh.Das Fest der Beschneidung des Herrn wird auf den 1. Januar gelegt.Grotefend
MittelalterIn fast ganz Deutschland beginnt das Jahr an Weihnachten, in Trier am 25. März.Grotefend
1542–1559Frankfurt am Main kehrt endgültig zum Jahresanfang am 1. Januar zurück.Grotefend
1582Gregorianische Reform: Auf Donnerstag, 4. Oktober, folgt Freitag, 15. Oktober.PTB
1691Die päpstliche Kanzlei datiert nun auch Bullen nach dem 1. Januar; Breven schon seit 1621.Grotefend
1752Großbritannien beginnt das Jahr am 1. Januar und streicht im September elf Tage.Calendar Act 1750
18. Jh.„Silvester“ wird als Name für den letzten Tag des Jahres gebräuchlich.DWDS, Pfeifer
1869/1870Die Postkarte kommt in Österreich und im Norddeutschen Bund auf und wird zum Massenmedium.LEO-BW
1939/1941Strauß-Konzert der Wiener Philharmoniker an Silvester 1939, ab 1941 am Neujahrstag.Wiener Philharmoniker
1963Der NDR nimmt „Dinner for One“ auf.NDR

Quellen

Häufige Fragen

Warum heißt der 31. Dezember Silvester?

Der Tag ist nach Papst Silvester I. benannt, der am 31. Dezember 335 starb; sein Gedenktag liegt seither auf diesem Datum. Als Name für den letzten Tag des Jahres ist „Silvester“ seit dem 18. Jahrhundert belegt.

Seit wann beginnt das Jahr am 1. Januar?

In Rom traten die Konsuln seit 153 v. Chr. am 1. Januar ihr Amt an, und Caesars Kalender von 45 v. Chr. begann mit dem Januar. Im Mittelalter zählte man in Deutschland meist ab Weihnachten; der 1. Januar setzte sich hier in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wieder durch.

Hat Papst Innozenz XII. 1691 den 1. Januar als Jahresbeginn festgelegt?

Nicht im oft behaupteten Sinn. Belegt ist, dass die päpstliche Kanzlei ab 1691 auch ihre Bullen nach dem Jahresanfang am 1. Januar datierte, Breven schon seit 1621. In Deutschland galt der 1. Januar zu dieser Zeit längst.

Warum macht man an Silvester Lärm?

Nach altem Volksglauben sollte Lärm die bösen Geister vertreiben, die in der Silvesternacht als besonders gefährlich galten. Früher knallte man mit Gewehren, Pistolen oder Karbid in Milchkannen, obwohl Behörden das seit dem 17. und 18. Jahrhundert verboten.

Seit wann gibt es das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker?

Das erste Konzert dieser Reihe spielten die Wiener Philharmoniker am 31. Dezember 1939 unter Clemens Krauss. Am Neujahrstag selbst fand es erstmals am 1. Januar 1941 statt.

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