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Neujahrsgedichte: Klassiker im Wortlaut und eigene Verse

Neujahrsgedichte, die Sie frei verwenden dürfen, stammen von Dichterinnen und Dichtern, die vor mehr als 70 Jahren gestorben sind – etwa Goethe, Mörike, Annette von Droste-Hülshoff oder Wilhelm Busch. Hier stehen acht solcher Klassiker im geprüften Wortlaut mit Quelle, dazu acht kurze Verse der Redaktion für Karte, Familie, Kinder und Kollegen.

Von Zuletzt geprüft am 12 Min. Lesezeit

Ein aufgeschlagenes altes Buch liegt neben einem Füllfederhalter und einer brennenden Kerze auf einem dunklen Holztisch
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Alle Gedichte auf dieser Seite haben wir mit einer verlässlichen Textausgabe abgeglichen und in der Schreibweise der Vorlage belassen – deshalb steht bei Goethe „Sammlen“ und bei Hoffmann von Fallersleben „Muth“. Unter jedem Gedicht finden Sie die Fundstelle, darunter eine kurze Einordnung: wann es entstand, worum es geht und wofür es sich eignet, ob für eine kleine Ansprache um Mitternacht, für die Karte oder für einen stillen Moment am Silvesterabend.

Heitere Neujahrsgedichte

Zum neuen Jahr

Zwischen dem Alten,
Zwischen dem Neuen
Hier uns zu freuen,
Schenkt uns das Glück,
Und das Vergangne
Heißt mit Vertrauen
Vorwärts zu schauen,
Schauen zurück.

Stunden der Plage,
Leider, sie scheiden
Treue von Leiden,
Liebe von Lust;
Bessere Tage
Sammlen uns wieder,
Heitere Lieder
Stärken die Brust.

Leiden und Freuden,
Jener verschwundnen,
Sind die Verbundnen
Fröhlich gedenk.
O des Geschickes
Seltsamer Windung!
Alte Verbindung,
Neues Geschenk!

Dankt es dem regen,
Wogenden Glücke,
Dankt dem Geschicke
Männiglich Gut,
Freut euch des Wechsels
Heiterer Triebe,
Offener Liebe,
Heimlicher Glut!

Andere schauen
Deckende Falten
Über dem Alten
Traurig und scheu;
Aber uns leuchtet
Freundliche Treue;
Sehet, das Neue
Findet uns neu.

So wie im Tanze
Bald sich verschwindet,
Wieder sich findet
Liebendes Paar;
So durch des Lebens
Wirrende Beugung
Führe die Neigung
Uns in das Jahr.

Johann Wolfgang von Goethe, Gedichte (Ausgabe letzter Hand), Gesellige Lieder, 1827 – Zeno.org

Goethe stellte das Lied in seiner Ausgabe letzter Hand zu den „Geselligen Liedern“, und so klingt es auch: kurze, schwingende Zeilen mit je zwei Hebungen, die den Wechsel der Jahre mit einem Paartanz vergleichen. Das Gedicht feiert die Freundschaft, die über den Jahreswechsel trägt – „Sehet, das Neue / Findet uns neu“. Die erste oder die letzte Strophe eignet sich gut als kleine Ansprache kurz vor Mitternacht.

Zu Neujahr

Will das Glück nach seinem Sinn
Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin
Ohne viel Bedenken.

Jede Gabe sei begrüßt,
Doch vor allen Dingen:
Das, warum du dich bemühst,
Möge dir gelingen.

Wilhelm Busch, Schein und Sein, 1909 – Zeno.org

Die meisten Gedichte aus Wilhelm Buschs Band „Schein und Sein“ entstanden 1899, erschienen ist das Buch 1909, ein Jahr nach seinem Tod (Wikipedia). Die zwei Strophen sind ein Neujahrswunsch in Reinform: Nimm das Glück, wie es kommt, und vor allem möge gelingen, worum du dich bemühst – „warum“ steht hier im älteren Sinn von „worum“. Mit acht Zeilen passt das Gedicht vollständig auf eine Karte.

Der Glückwunsch

Ein Glückwunsch ging ins neue Jahr,
Ins Heute aus dem Gestern.
Man hörte ihn sylvestern.
Er war sich aber selbst nicht klar,
Wie eigentlich sein Hergang war
Und ob ihn die Vergangenheit
Bewegte oder neue Zeit.
Doch brachte er sich dar, und zwar
Undeutlich und verlegen.

Weil man ihn nicht so ganz verstand,
So drückte man sich froh die Hand
Und nahm ihn gern entgegen.

Joachim Ringelnatz, Gedichte, Gedichte von Einstmals und Heute, 1934 – Wikisource

Das Gedicht erschien 1934, im Todesjahr von Joachim Ringelnatz (Wikipedia). Es nimmt liebevoll den Neujahrsglückwunsch selbst aufs Korn, der „undeutlich und verlegen“ daherkommt und trotzdem gern angenommen wird. Wer bei der Feier etwas vortragen möchte, das zum Schmunzeln bringt, liegt hier richtig; das ungewöhnliche Verb „sylvestern“ sorgt meist für Lacher.

Zuversichtliche Neujahrsgedichte

Das alte Jahr vergangen ist

Das alte Jahr vergangen ist,
Das neue Jahr beginnt.
Wir danken Gott zu dieser Frist,
Wohl uns, daß wir noch sind!
Wir sehn auf’s alte Jahr zurück,
Und haben neuen Muth:
Ein neues Jahr, ein neues Glück!
Die Zeit ist immer gut.

Ja, keine Zeit war jemals schlecht:
In jeder lebet fort
Gefühl für Wahrheit, Ehr’ und Recht
Und für ein freies Wort.
Hinweg mit allem Weh und Ach!
Hinweg mit allem Leid!
Wir selbst sind Glück und Ungemach,
Wir selber sind die Zeit.

Und machen wir uns froh und gut,
Ist froh und gut die Zeit,
Und giebt uns Kraft und frohen Muth
Bei jedem neuen Leid.
Und was einmal die Zeit gebracht,
Das nimmt sie wieder hin –
Drum haben wir bei Tag und Nacht
Auch immer frohen Sinn.

Und weil die Zeit nur vorwärts will,
So schreiten vorwärts wir;
Die Zeit gebeut, nie stehn wir still,
Wir schreiten fort mit ihr.
Ein neues Jahr, ein neues Glück!
Wir ziehen froh hinein,
Denn vorwärts! vorwärts! nie zurück!
Soll unsre Losung sein.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Gedichte, 1853 – Wikisource

Hoffmann von Fallersleben, von dem auch der Text des „Lieds der Deutschen“ stammt (Wikipedia), schrieb hier ein Neujahrslied voller Tatendrang: Die Zeit ist weder gut noch schlecht, „Wir selber sind die Zeit“. Die Zeile „Ein neues Jahr, ein neues Glück!“ kehrt in der letzten Strophe wieder und ist so eingängig, dass Kinder sie schnell mitsprechen. Zum Vortragen in der Familie ist das Gedicht ideal, für eine Karte genügt die erste Strophe.

Mein Neujahrswunsch

Was ich erwünsche vom neuen Jahre?
Daß ich die Wurzel der Kraft mir wahre,
Festzustehen im Grund der Erden,
Nicht zu lockern und morsch zu werden,
Mit den frisch ergrünenden Blättern
Wieder zu trotzen Wind und Wettern,
Mag es ächzen und mag es krachen,
Stark zu rauschen, ruhig zu lachen,
So in Regen wie Sonnenschein
Freunden ein Baum des Lebens zu sein.

Karl Henckell, Gesammelte Werke, Band 2, 1921 – Wikisource

Karl Henckell (1864–1929, Wikipedia) beantwortet die Frage, was er sich vom neuen Jahr wünscht, mit dem Bild eines Baumes: fest verwurzelt, im Sturm standhaft und „Freunden ein Baum des Lebens“. Das Gedicht entstand zwischen 1883 und 1886. Mit zehn Zeilen ist es kurz genug für eine Karte an gute Freunde oder an jemanden, der gerade Kraft braucht.

Zum neuen Jahr

Kirchengesang (Melodie aus Axur: »Wie dort auf den Auen«)

Wie heimlicher Weise
Ein Engelein leise
Mit rosigen Füßen
Die Erde betritt,
So nahte der Morgen.
Jauchzt ihm, ihr Frommen,
Ein heilig Willkommen,
Ein heilig Willkommen!
Herz, jauchze du mit!

In Ihm sei's begonnen,
Der Monde und Sonnen
An blauen Gezelten
Des Himmels bewegt.
Du, Vater, du rate!
Lenke du und wende!
Herr, dir in die Hände
Sei Anfang und Ende,
Sei alles gelegt!

Eduard Mörike, Gedichte (Ausgabe 1867) – Zeno.org

Eduard Mörike, selbst evangelischer Pfarrer (Wikipedia), schrieb dieses Gedicht als Kirchengesang zu einer Melodie aus der Oper „Axur“. Der neue Morgen kommt leise wie ein Engel, und das Jahr wird in Gottes Hände gelegt. Für Menschen, denen ein christlicher Gruß wichtig ist, passt vor allem die zweite Strophe in eine Karte.

Nachdenkliche Neujahrsgedichte

Der Antritt des neuen Jahrhunderts

An ***

Edler Freund! Wo öffnet sich dem Frieden,
Wo der Freiheit sich ein Zufluchtsort?
Das Jahrhundert ist im Sturm geschieden,
Und das neue öffnet sich mit Mord.

Und das Band der Länder ist gehoben,
Und die alten Formen stürzen ein;
Nicht das Weltmeer hemmt des Krieges Toben,
Nicht der Nilgott und der alte Rhein.

Zwo gewaltge Nationen ringen
Um der Welt alleinigen Besitz,
Aller Länder Freiheit zu verschlingen,
Schwingen sie den Dreizack und den Blitz.

Gold muß ihnen jede Landschaft wägen,
Und wie Brennus in der rohen Zeit
Legt der Franke seinen ehrnen Degen
In die Waage der Gerechtigkeit.

Seine Handelsflotten streckt der Brite
Gierig wie Polypenarme aus,
Und das Reich der freien Amphitrite
Will er schließen wie sein eignes Haus.

Zu des Südpols nie erblickten Sternen
Dringt sein rastlos ungehemmter Lauf,
Alle Inseln spürt er, alle fernen
Küsten – nur das Paradies nicht auf.

Ach umsonst auf allen Länderkarten
Spähst du nach dem seligen Gebiet,
Wo der Freiheit ewig grüner Garten,
Wo der Menschheit schöne Jugend blüht.

Endlos liegt die Welt vor deinen Blicken,
Und die Schiffahrt selbst ermißt sie kaum,
Doch auf ihrem unermeßnen Rücken
Ist für zehen Glückliche nicht Raum.

In des Herzens heilig stille Räume
Mußt du fliehen aus des Lebens Drang,
Freiheit ist nur in dem Reich der Träume,
Und das Schöne blüht nur im Gesang.

Friedrich Schiller, Gedichte (1789–1805), um 1801 – Zeno.org

Schiller schrieb das Gedicht vermutlich 1801 unter dem Eindruck des Friedens von Lunéville. Es blickt erschüttert auf den Kampf zweier Großmächte, Frankreich und Großbritannien, um die Weltherrschaft (Wikipedia). Für eine Glückwunschkarte ist es nichts, wohl aber für alle, die den Jahreswechsel auch politisch denken. Die letzte Strophe wird bis heute oft zitiert.

Am letzten Tage des Jahres (Silvester)

Das Jahr geht um,
Der Faden rollt sich sausend ab.
Ein Stündchen noch, das letzte heut,
Und stäubend rieselt in sein Grab
Was einstens war lebend'ge Zeit.
Ich harre stumm.

's ist tiefe Nacht!
Ob wohl ein Auge offen noch?
In diesen Mauern rüttelt dein
Verrinnen, Zeit! Mir schaudert, doch
Es will die letzte Stunde sein
Einsam durchwacht.

Gesehen all,
Was ich begangen und gedacht,
Was mir aus Haupt und Herzen stieg:
Das steht nun eine ernste Wacht
Am Himmelstor. O halber Sieg,
O schwerer Fall!

Wie reißt der Wind
Am Fensterkreuze, ja es will
Auf Sturmesfittigen das Jahr
Zerstäuben, nicht ein Schatten still
Verhauchen unterm Sternenklar.
Du Sündenkind!

War nicht ein hohl
Und heimlich Sausen jeder Tag
In deiner wüsten Brust Verlies,
Wo langsam Stein an Stein zerbrach,
Wenn es den kalten Odem stieß
Vom starren Pol?

Mein Lämpchen will
Verlöschen, und begierig saugt
Der Docht den letzten Tropfen Öl.
Ist so mein Leben auch verraucht,
Eröffnet sich des Grabes Höhl'
Mir schwarz und still?

Wohl in dem Kreis,
Den dieses Jahres Lauf umzieht,
Mein Leben bricht: Ich wußt' es lang!
Und dennoch hat dies Herz geglüht
In eitler Leidenschaften Drang.
Mir brüht der Schweiß

Der tiefsten Angst
Auf Stirn und Hand! – Wie, dämmert feucht
Ein Stern dort durch die Wolken nicht?
Wär' es der Liebe Stern vielleicht,
Dir zürnend mit dem trüben Licht,
Daß du so bangst?

Horch, welch Gesumm?
Und wieder? Sterbemelodie!
Die Glocke regt den ehrnen Mund.
O Herr! ich falle auf das Knie:
Sei gnädig meiner letzten Stund!
Das Jahr ist um!

Annette von Droste-Hülshoff, Das geistliche Jahr, 1851 – Zeno.org

Mit diesem Gedicht endet der Zyklus „Das geistliche Jahr“, an dem Annette von Droste-Hülshoff 1818 bis 1820 und noch einmal 1839 bis 1840 arbeitete; veröffentlicht wurde er erst 1851, drei Jahre nach ihrem Tod (Wikipedia). Das lyrische Ich wacht allein durch die letzte Stunde des Jahres, das Lämpchen verlischt, die Glocke schlägt: ein Gedicht über Vergänglichkeit und Gewissen. Es eignet sich zum stillen Lesen am Silvesterabend, nicht für Glückwunschkarten. Wer den Abend für eine eigene Bilanz nutzen möchte, findet Fragen dazu beim Jahresrückblick.

Eigene Verse der Redaktion

Die folgenden Verse hat die Redaktion von Guten-Rutsch.com selbst geschrieben. Sie sind kurz genug für eine Karte oder eine Nachricht und dürfen für private Grüße gern verwendet werden.

Für die Karte

Ein neues Jahr, ein weißes Blatt,
noch ohne Flecken, ohne Plan.
Ich wünsch dir, dass es Zeilen hat
für alles, was dich freut. Fang an!

Vers der Redaktion Guten-Rutsch.com, 2026

Für die Familie

Ihr seid mein Hafen, wenn es stürmt,
mein Feuer, wenn es draußen schneit.
Was sich im neuen Jahr auch türmt:
Wir schaffen’s, weil ihr bei mir seid.

Vers der Redaktion Guten-Rutsch.com, 2026

Für Kinder zum Mitzählen

Drei, zwei, eins – das Jahr ist um!
Alle hüpfen rundherum,
wünschen Glück für Groß und Klein,
lassen froh das Jahr herein.
Und der Hund? Der schläft im Haus,
träumt das alte Jahr hinaus.

Vers der Redaktion Guten-Rutsch.com, 2026

Für Kolleginnen und Kollegen

Wir haben dieses Jahr geschafft
mit Kaffee, Plan und viel Geduld.
Fürs neue wünsch ich Ihnen Kraft
und stets ein aufgeräumtes Pult.

Vers der Redaktion Guten-Rutsch.com, 2026

Für den liebsten Menschen

Mit dir war selbst der Regen warm,
der Montag kurz, die Welt so weit.
Ich geh ins neue Jahr – im Arm
mein Glück, und das für alle Zeit.

Vers der Redaktion Guten-Rutsch.com, 2026

Für Freunde

Für euch, die ihr mit mir gelacht,
geschwiegen, zugehört, gewacht:
Ich wünsche euch ein Jahr voll Licht –
denn ohne euch, da geht es nicht.

Vers der Redaktion Guten-Rutsch.com, 2026

Für Oma und Opa

Ihr habt so viele Jahre kommen
und wieder gehen sehn – und wisst:
Was zählt, wird nicht vom Wind genommen,
weil es im Herzen sicher ist.

Vers der Redaktion Guten-Rutsch.com, 2026

Für Mitternacht

Die Uhr schlägt zwölf, das Jahr ist neu,
wir stehen still für einen Schlag.
Was war, das war – und bleibt uns treu;
was kommt, beginnt mit diesem Tag.

Vers der Redaktion Guten-Rutsch.com, 2026

Ein Gedicht vortragen

Ein Gedicht um Mitternacht oder beim Neujahrsessen kann ein schöner Moment werden, wenn es nicht zu lang ist und flüssig klingt. Diese Tipps helfen:

  • Kurz bleiben: Planen Sie höchstens zwei Minuten ein. Von Goethe oder Hoffmann von Fallersleben reichen zwei Strophen.
  • Dreimal laut üben: Lesen Sie das Gedicht vorher mindestens dreimal laut und markieren Sie mit Bleistift, wo Sie Luft holen.
  • Dem Satz folgen: Setzen Sie nicht automatisch am Zeilenende ab, sondern dort, wo ein Satzzeichen steht. So klingt der Vortrag natürlich statt leiernd.
  • Groß ausdrucken: Wählen Sie mindestens 16 Punkt Schriftgröße, damit Sie auch bei Kerzenlicht sicher lesen.
  • Zeitpunkt planen: Einige Minuten vor Mitternacht ist es meist noch ruhig genug; nach dem Jahreswechsel hört kaum noch jemand zu.
  • Kinder einbinden: Lassen Sie Kinder eine Zeile wiederholen, etwa „Ein neues Jahr, ein neues Glück!“. Weitere Ideen für den Abend stehen auf der Seite Silvester mit Kindern.

Ein Gedicht in die Karte schreiben

Ein ganzes Gedicht passt selten auf eine Karte. Wählen Sie eine Strophe, die für sich verständlich ist, etwa die letzte aus Goethes „Zum neuen Jahr“ oder die erste von Hoffmann von Fallersleben. Lassen Sie innerhalb einer Strophe etwas weg, markieren Sie die Lücke mit „[…]“. Darunter gehören der Name des Dichters und der Titel, zum Beispiel: „Wilhelm Busch, Zu Neujahr“.

Die alte Schreibweise dürfen Sie beibehalten, „Muth“ und „daß“ gehören zum Gedicht. Wer lieber modern schreibt, macht in einer privaten Karte keinen Fehler, sollte dann aber durchgehend modernisieren. Mit sauberer Handschrift passen auf eine Postkarte etwa acht kurze Zeilen und ein Gruß. Fertig gestaltet geht es mit dem Grußkarten-Generator; kurze Wünsche ohne Reim finden Sie bei den Neujahrssprüchen.

Urheberrecht: Warum hier nur gemeinfreie Gedichte stehen

Gedichte sind urheberrechtlich geschützt, und zwar bis 70 Jahre nach dem Tod des Autors (§ 64 UrhG). Die Frist beginnt erst mit dem Ablauf des Todesjahres (§ 69 UrhG). Im Jahr 2026 sind deshalb die Werke aller Autorinnen und Autoren frei, die 1955 oder früher gestorben sind. Ringelnatz starb 1934, seine Gedichte sind seit dem 1. Januar 2005 gemeinfrei.

Ein geschütztes Gedicht ins Netz zu stellen, ist eine öffentliche Zugänglichmachung, und dieses Recht steht dem Urheber zu (§ 19a UrhG). Das gilt auch für Beiträge in sozialen Netzwerken. Viele „Neujahrsgedichte“ im Netz stehen ohne Autorennamen da; ob sie frei sind, lässt sich dann nicht prüfen. Vorsicht auch bei Übersetzungen: Sie sind in aller Regel eigenständig geschützt, selbst wenn das Original gemeinfrei ist (§ 3 UrhG).

Auch bei freien Texten lohnt der Blick auf die Fassung. Dietrich Bonhoeffers „Von guten Mächten“ entstand im Dezember 1944 in der Haft; seit 2016 ist es gemeinfrei, weil Bonhoeffer 1945 hingerichtet wurde. Die lange verbreitete Fassung aus dem Band „Widerstand und Ergebung“ von 1951 weicht aber an vier Stellen vom Originalbrief ab; die meisten Liederbücher drucken heute den Text nach dem Autograph (Wikipedia).

Quellen

Häufige Fragen

Welche Neujahrsgedichte darf ich frei verwenden?

Gedichte von Autoren, die vor mehr als 70 Jahren gestorben sind; gezählt wird ab dem Ende des Todesjahres. Im Jahr 2026 sind das alle Werke von Dichterinnen und Dichtern, die 1955 oder früher gestorben sind.

Welches Neujahrsgedicht passt vollständig auf eine Karte?

Wilhelm Buschs „Zu Neujahr“ mit acht Zeilen und Karl Henckells „Mein Neujahrswunsch“ mit zehn Zeilen. Von längeren Gedichten wählen Sie eine Strophe und nennen den Dichter.

Gibt es ein kurzes Neujahrsgedicht für Kinder?

Kinder sprechen gern die Zeile „Ein neues Jahr, ein neues Glück!“ von Hoffmann von Fallersleben mit. Unser Vers „Drei, zwei, eins – das Jahr ist um!“ ist zum Mitzählen vor Mitternacht gedacht.

Darf ich die Verse der Redaktion verwenden?

Ja, für private Karten und Nachrichten. Wenn Sie einen Vers veröffentlichen, nennen Sie bitte Guten-Rutsch.com als Quelle.

Ist „Von guten Mächten“ ein Neujahrsgedicht?

Dietrich Bonhoeffer schrieb es im Dezember 1944 als Weihnachtsgruß an seine Verlobte und seine Familie, der Text blickt aber auf die Jahreswende voraus. Er ist seit 2016 gemeinfrei; achten Sie auf die Fassung nach dem Originalbrief.

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