Planen & Feiern

Silvester mit Haustieren: Wenn Hund und Katze Angst vor dem Feuerwerk haben

Hat Ihr Hund an Silvester Angst, helfen vor allem Vorbereitung und Sicherheit: Geräuschtraining über mehrere Wochen, ein abgedunkelter Rückzugsort, ein früher Spaziergang mit Halsband und Sicherheitsgeschirr und Ihre ruhige Anwesenheit am Abend. Katzen bleiben schon Tage vorher im Haus, Kleintiere und Vögel ziehen nach drinnen. Medikamente gibt es nur nach Absprache mit der Tierarztpraxis.

Von Zuletzt geprüft am 7 Min. Lesezeit

Entspannter Hund liegt unter einer Wolldecke auf dem Sofa in einem warm beleuchteten Wohnzimmer
KI-generiert

Für viele Tiere ist der Jahreswechsel die schwerste Nacht des Jahres. Partnertierheime des Deutschen Tierschutzbundes meldeten zum Jahreswechsel 2022/23 insgesamt 212 tote und 17 verletzte Tiere sowie 432 vermisste oder gefundene (Deutscher Tierschutzbund). Mit guter Vorbereitung lässt sich viel Stress vermeiden. Dieser Ratgeber führt von den Wochen davor bis zum Neujahrsmorgen und endet mit einem Notfallplan zum Abhaken.

Warum Hunde an Silvester Angst haben

Hunde und Katzen hören viel empfindlicher als Menschen. Den Knall nehmen sie lauter wahr und können ihn nicht einordnen; grelle Lichtblitze und der ungewohnte Geruch verstärken den Schreck (Deutscher Tierschutzbund). Katzen etwa hören Töne von 48 Hertz bis 85 Kilohertz – eines der breitesten Hörspektren unter Säugetieren (Heffner und Heffner 1985).

Wie verbreitet die Angst ist, zeigt eine Befragung zu 1.225 Hunden: 52 Prozent reagierten zumindest teilweise ängstlich auf Feuerwerk, meist begann die Angst im ersten Lebensjahr. Fast drei Viertel der betroffenen Hunde erholten sich bis zum nächsten Morgen, bei mehr als drei Prozent dauerte es Wochen oder Monate (Riemer 2019).

Gefährlich wird es, wenn der Fluchtinstinkt übernimmt: Hunde reißen sich von der Leine los, Katzen laufen vor Autos oder verkriechen sich in Kellern und Garagen, aus denen sie nicht zurückfinden. Viele Tiere laufen kilometerweit (Deutscher Tierschutzbund). Pferde sind als Fluchttiere besonders gefährdet.

Vorbereitung: Wochen vor Silvester

Geräuschtraining

Der Tierschutzbund empfiehlt, Tiere schon Wochen vorher behutsam an die Geräusche zu gewöhnen: Aufnahmen von Feuerwerk sehr leise abspielen, die Lautstärke langsam steigern und dabei füttern oder spielen, damit der Knall etwas Angenehmes ankündigt. Wichtig ist, dass der Hund entspannt bleibt – zeigt er Stress, gehen Sie einen Schritt zurück (Deutscher Tierschutzbund).

Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht, Unterstützung bietet eine auf Verhalten spezialisierte Tierarztpraxis. Am besten wirkt das Training vorbeugend: Welpen und Hunde ohne Angst, die Knallgeräusche mit etwas Positivem verbinden lernen, entwickeln später deutlich seltener eine Feuerwerksangst (Riemer 2019).

Rückzugsort

Richten Sie mehrere Wochen vorher einen ruhigen Platz ein, der von der Straße abgewandt liegt: einen mit Rollläden abgedunkelten Raum, eine Höhle oder eine offene Transportbox. So hat Ihr Tier den Ort angenommen, bevor es ernst wird (Tierschutzbund).

Tierarzt rechtzeitig fragen

War Ihr Tier im Vorjahr panisch, sprechen Sie frühzeitig mit Ihrer Tierarztpraxis. Ob ein Medikament oder ein Nahrungsergänzungsmittel infrage kommt, wird dort für jedes Tier einzeln entschieden. Der Tierschutzbund nennt Medikamente ausdrücklich den letzten Schritt: Manche dämpfen nur das Verhalten, während das Tier die Angst weiter spürt – im schlimmsten Fall verstärkt das die Angst vor Feuerwerk.

Kennzeichnen und registrieren

Lassen Sie Hund und Katze mit einem Transponder kennzeichnen und registrieren Sie das Tier kostenlos bei TASSO oder bei FINDEFIX, dem Haustierregister des Tierschutzbundes. Nur so lässt sich ein gefundenes Tier eindeutig zuordnen. Erlauben Sie bei TASSO die Weitergabe Ihrer Kontaktdaten an Finder, dann können sich beide Seiten direkt verständigen. Eine EU-Verordnung, der das Europäische Parlament am 28. April 2026 zugestimmt hat, macht Kennzeichnung und Registrierung künftig zur Pflicht – mit langen Übergangsfristen (TASSO).

Am Silvesterabend: So geben Sie Sicherheit

Gehen Sie am 31. Dezember früh mit dem Hund hinaus, spätestens am Nachmittag, und halten Sie die Runden kurz. Ruhige Gegenden wie Wald, Strand oder dünn besiedelte Gebiete sind jetzt besser als das Wohnviertel. Lassen Sie den Hund auch in den Tagen vor und nach Silvester nicht frei laufen und sichern Sie ihn doppelt: mit Halsband und Sicherheitsgeschirr, am besten an zwei Leinen (Tierschutzbund).

Sobald es dunkel wird, Rollläden herunterlassen, Fenster und Türen schließen und Radio oder Fernseher etwas lauter stellen als sonst. Vorsicht bei Sendungen mit Feuerwerksgeräuschen, vor allem um Mitternacht; ein ruhiger Film oder der Klassiker Dinner for One passt besser. Such- und Beschäftigungsspiele lenken zusätzlich ab. Bitten Sie Ihre Gäste, Haus- und Terrassentüren geschlossen zu halten.

Trösten oder ignorieren?

Lange hieß es, ein ängstliches Tier dürfe man nicht trösten, weil Zuwendung die Angst verstärke – so riet die Bundestierärztekammer noch 2013 zu „Coolness“ statt Trost. Der Deutsche Tierschutzbund setzt heute andere Akzente: Bleiben Sie in der Nähe und wirken Sie souverän, denn die Anwesenheit der Bezugsperson hilft den meisten Tieren, sich zu entspannen. Nur übermäßiges Streicheln oder ständiges Zureden bringen nichts.

Sucht Ihr Hund Ihre Nähe, darf er sie also bekommen. In Halterbefragungen, die Riemer (2019) zusammenfasst, galten ein besonders begehrter Leckerbissen direkt nach jedem Knall und ein vorher geübtes Entspannungssignal als besonders wirksam. Lassen Sie ein ängstliches Tier in dieser Nacht nicht allein.

Katzen an Silvester

Freigänger bleiben am besten schon zwei bis drei Tage vor und nach Silvester im Haus, je nachdem, wann sie sonst heimkommen; schließen Sie die Katzenklappe (Tierschutzbund). Katzen verstecken sich gern in offenen Schränken oder unter dem Bett. Lassen Sie sie dort in Ruhe und holen Sie sie nicht hervor (Bundestierärztekammer).

Spiele lenken ab, wenn die Katze mitmacht. Hat Ihre Katze Angst, bleiben Sie in dieser Nacht besser zu Hause. Verschläft sie den Jahreswechsel dagegen gelassen, können Sie auswärts feiern und mit einer kleinen Haustierkamera nach ihr sehen.

Katze ruht in einer grauen Filzhöhle neben einem Fenster mit geschlossenem Rollo
Verstecke geben Katzen Sicherheit – holen Sie sie nicht heraus. KI-generiert

Kaninchen, Meerschweinchen und Vögel

Kleintiere aus der Wohnung kommen in einen ruhigen Raum, möglichst weit weg vom geschlossenen, abgedunkelten Fenster; ein großes Tuch über Käfig oder Gehege schirmt Licht ab. Leben Kaninchen oder Meerschweinchen draußen, brauchen sie viele Verstecke und ein Gehege, das gegen herabfallende Feuerwerkskörper gesichert ist (Tierschutzbund).

Vögel in Außenvolieren brauchen einen überdachten Schutzraum; ungesicherte Bereiche sperren Sie ab oder bringen die Tiere über Nacht ganz in den Schutzraum. Ein schwaches Nachtlicht mildert die Lichtblitze und hilft Vögeln, sich bei Unruhe zu orientieren (Tierschutzbund).

Pferde an Silvester

Pferde, die nicht im Offenstall leben, kommen über Nacht in den Stall; besonders schreckhafte Tiere stehen am besten neben ruhigen Artgenossen. Idealerweise bleibt eine Person vor Ort und sieht in kurzen Abständen nach, schmackhaftes Futter lenkt ab. Sprechen Sie vorher mit den Anwohnern, damit in Stallnähe nicht geböllert wird (Tierschutzbund).

Wildtiere: Was das Feuerwerk draußen auslöst

Feuerwerk reißt Wildtiere aus Nacht- und Winterruhe und kostet sie Energiereserven, die sie in der kalten Jahreszeit dringend brauchen (Tierschutzbund). Eine Radarstudie aus den Niederlanden zeigt das Ausmaß: Kurz nach Mitternacht stiegen Tausende Vögel auf, die größte Dichte lag in 500 Metern Höhe, die Unruhe hielt mindestens 45 Minuten an. Landesweit flogen nach Schätzung der Forschenden Hunderttausende Vögel wegen des Feuerwerks auf (Shamoun-Baranes u. a. 2011).

Der Tierschutzbund appelliert, in der Nähe von Wäldern, Ufern, Ställen und Tierheimen auf eigenes Feuerwerk zu verzichten. Welche Regeln für Feuerwerk generell gelten, erklärt unsere Seite Silvester: Regeln und Sicherheit.

Tier entlaufen: Was jetzt zu tun ist

  1. Ruhe bewahren: Rennen Sie einem flüchtenden Hund nicht hinterher – einholen können Sie ihn nicht, und Ihre Panik treibt ihn weiter weg.
  2. Vor Ort bleiben: Hunde kommen häufig an die Stelle zurück, an der sie entlaufen sind. Eine zweite Person wartet zu Hause.
  3. Sofort melden: bei TASSO oder FINDEFIX als vermisst, bei TASSO auch ohne vorherige Registrierung. Informieren Sie die Polizei über die Nummer der örtlichen Dienststelle statt über 110, außerdem Tierheime, Förster und Jagdpächter.
  4. Gezielt suchen: sternförmig vom Ausgangspunkt aus und immer wieder zurück. Müssen Sie gehen, lassen Sie ein getragenes Kleidungsstück liegen. Katzen verstecken sich oft in Garagen, Kellern oder Schuppen der Nachbarn.
  5. Richtig anlocken: Wird das Tier gesichtet, nicht rufen oder darauf zulaufen, sondern hinknien, sich seitlich abwenden und ruhig locken. Ängstliche Hunde wagen sich oft erst im Schutz der Dunkelheit zurück.

Die Schritte folgen den Suchtipps von TASSO. Melden Sie sich dort auch, sobald Ihr Tier wieder da ist, damit die Suche beendet wird.

Checkliste: Ihr Haustier-Notfallplan

Gehen Sie diese Liste bis Mitte Dezember durch und legen Sie sie ausgedruckt neben die Haustür. Den allgemeinen Zeitplan für den Abend finden Sie in der Silvester-Checkliste, Ideen für einen ruhigen Abend zu Hause bei den Silvester-Ideen.

  • Transpondernummer notiert, Registrierung bei TASSO oder FINDEFIX geprüft, Telefonnummer aktuell
  • Aktuelle Fotos des Tieres von vorn und von der Seite auf dem Handy
  • Telefonnummern notiert: Tierarztpraxis, tierärztlicher Notdienst, nächstes Tierheim, örtliche Polizeidienststelle
  • Sicherheitsgeschirr angepasst und getestet, zweite Leine bereitgelegt
  • Rückzugsort eingerichtet und vom Tier angenommen
  • Gassizeit für den 31. Dezember festgelegt – früh am Tag
  • Betreuung geklärt: Wer bleibt in der Nacht beim Tier?
  • Katzenklappe verschlossen, Gäste gebeten, Türen geschlossen zu halten
  • Taschenlampe griffbereit – bei der Suche reflektieren Katzenaugen das Licht
Silvester-Plan nach Tierart
TierartVorbereitungAm Abend
HundGeräuschtraining über Wochen, Rückzugsort einrichten, Sicherheitsgeschirr anpassen, bei starker Angst frühzeitig die Tierarztpraxis fragenGassi früh am Tag und kurz, doppelt gesichert; Rollläden zu, Radio an, in der Nähe bleiben
KatzeFreigänger zwei bis drei Tage vorher drinnen behalten, Verstecke anbietenKatzenklappe zu, Fenster geschlossen, Versteck nicht stören, ängstliche Tiere nicht allein lassen
Kaninchen, MeerschweinchenAußengehege sichern oder Tiere nach drinnen holen, viele Verstecke schaffenRuhiger Raum fern vom Fenster, Gehege mit einem Tuch abdecken
ZiervögelVoliere überdachen oder Schutzraum vorbereitenKäfig mit einem Tuch abdecken, schwaches Nachtlicht anlassen
PferdeMit Anwohnern sprechen, Stallwache organisierenIm Stall unterbringen (außer im Offenstall), regelmäßig nachsehen, Futter zur Ablenkung

Quellen

Häufige Fragen

Darf ich meinen Hund an Silvester trösten?

Ja, Ihre Nähe hilft: Der Deutsche Tierschutzbund rät, beim Tier zu bleiben und selbst ruhig und souverän zu wirken. Übermäßiges Streicheln oder ständiges Zureden helfen dagegen nicht.

Wie lange sollten Freigängerkatzen an Silvester drinnen bleiben?

Der Deutsche Tierschutzbund empfiehlt, Katzen mit Freigang schon zwei bis drei Tage vor und nach Silvester nicht hinauszulassen, weil auch an diesen Tagen geknallt wird.

Wann sollte ich wegen Silvester mit dem Tierarzt sprechen?

Frühzeitig, also einige Wochen vorher – besonders, wenn Ihr Tier im Vorjahr panisch war. Ob ein Medikament überhaupt infrage kommt, entscheidet die Tierarztpraxis für jedes Tier einzeln; auf eigene Faust sollten Sie nichts geben.

Was tun, wenn der Hund an Silvester weggelaufen ist?

Nicht hinterherrennen, sondern am Ort des Entlaufens bleiben, denn Hunde kehren oft dorthin zurück. Melden Sie das Tier sofort bei TASSO oder FINDEFIX als vermisst und informieren Sie Polizei, Tierheime und Jagdpächter.

Sollen Kaninchen aus dem Außengehege an Silvester ins Haus?

Am sichersten ist ein ruhiger Raum abseits des Fensters. Bleiben die Tiere draußen, braucht das Gehege viele Verstecke, eine Abdeckung und Schutz vor herabfallenden Feuerwerkskörpern.

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